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Kraultechnik verbessern – Bist du im Widerstand?

Kraultechnik verbessern - Bist du im Widerstand? - Veras Triathlon-Blog - Schwimmstudio.de - Schwimmzeit-Manufaktur
Kraultechnik verbessern – Bist du im Widerstand? – Veras Triathlon-Blog – Schwimmstudio.de – Schwimmzeit-Manufaktur

Was haben schnelle Boote (Rennboote, Rennyachten), schnelle Fahrzeuge (Hochgeschwindigkeitszüge, Fahrzeuge mit denen Geschwindigkeitsrekorde gebrochen werden) und schnelle Flugzeuge (Hochgeschwindigkeitsflugzeuge und Kampfjets) gemeinsam?

Sie haben alle Formen, die so weit wie möglich den Form-Luftwiderstand reduzieren. Das heißt, die Form ist lang, schmal und (relativ) spitz zulaufend.

Was haben langsame Boote (Frachtschiffe), langsame Fahrzeuge (Lastwägen, Kastenwägen) und langsame Flugzeuge (Frachtflugzeuge) gemeinsam?

Sie haben alle eine Form, die den Luftwiderstand vernachlässigt. Diese Form ermöglicht es viel Fracht zu transportieren. Sie brauchen stärkere Motoren, weil sie mehr Gewicht zu transportieren und mehr Form-Widerstand zu überwinden haben.

Was sagt dir das für deine Körperform im Kraulschwimmen?

Da würde es doch von Intelligenz und Logik zeugen, die Körperform im Wasser so widerstandsarm wie möglich zu halten, oder?

Merkwürdigerweise machen das die wenigsten erwachsenen Späteinsteiger ins Kraulschwimmen.

Sie arbeiten überwiegend mit den Methoden der Frachtschiffe, Lastwägen und Frachtflugzeuge: Die Form vernachlässigen, dafür immer mehr Kraft einsetzen.

Selbst die beste „Übung“ (die keine ist; deshalb die Anführungszeichen) um eine vorteilhafte Körperform für das Kraulschwimmen zu lernen, vernachlässigen sie sträflich: Das aquadynamische Abstoßen von jeder Wand.

Bei jedem Abstoßen von der Wand nehmen diese Athleten eine Körperform an, die den größtmöglichen Wasserwiderstand erzeugt: Den Kastenwagen. Bei jeder Bewegung von Armen und Beinen erhöhen sie den selbsterzeugten Wasserwiderstand. Sie schwimmen wie LKWs durch das Wasser.

Schnelle Schwimmer dagegen halten bereits beim Abstoßen von der Wand eine langgestreckte, schmale, möglichst spitz zulaufende Körperform dem Wasser entgegen. Auch bei jeder Schwimmbewegung halten sie diese Körperform aufrecht. So halten diese Athleten ihren (Körper-)Form-Wasserwiderstand so gering wie möglich. Das sind die Rennboote und Hochgeschwindigkeitszüge unter den Athleten.

Auch wenn du „nur“ müheloser und leichter im Wasser vorwärts kommen willst, dann gelten die gleichen Bedingungen. „Schneller“ ist dann ein willkommener Nebeneffekt.

Wasserwiderstand ist nicht gleich Wasserwiderstand.

Drei Arten des (Wasser)-Widerstands

Es gibt drei verschiedene Arten des Wasserwiderstands

  1. Formwiderstand
  2. Wellenwiderstand
  3. Reibungswiderstand

1. Der Formwiderstand

Der Formwiderstand bezieht sich auf die Körperform, die du dem Wasser in Schwimmrichtung entgegenstellst. Deshalb nennt sich dieser Widerstand auch frontaler Wasserwiderstand. Frontseite = vordere Körperseite. Diesen Widerstand erzeugst du mit der Oberfläche deines Körpers. Du öffnest mit deinem Körper eine Art Tunnel im Wasser. Und durch diesen Tunnel schwimmt dein Körper. Je größer die Fläche ist, mit der du diesen Tunnel ins Wasser „gräbst“, desto größer ist der Widerstand auf den du triffst. Die Fläche von Kopf und beiden Schultern im Wasser ist größer als die Fläche deiner Fingerspitzen. Deshalb gräbst du im Garten mit einem spitzen Spaten ein Loch in die Erde und nicht mit einer Abrißbirne.

Wie hältst du den Formwiderstand gering?

Ganz einfach. Indem du die Grundhaltung des Kraulschwimmens lernst. Dabei hältst du mühelos eine nahezu horizontale Wasserlage knapp unter der Wasseroberfläche. Das vermeidet automatisch jegliche überflüssige Bewegung zur Seite, nach oben/unten. Alles, was du tust, ist in Schwimmrichtung ausgerichtet. Diese Haltung im Gleichgewicht ermöglicht dir erst eine korrekte Verankerung im Wasser und erlaubt dir die Kontrolle über deine Bewegungen.

2. Der Wellenwiderstand

Wie der Name bereits sagt, entsteht der Wellenwiderstand hauptsächlich an der Wasseroberfläche. Dort gibt es die sichtbaren Wellen. Ein Großteil deines Körpers befindet sich unter Wasser. Über Wasser ragen nur:

  1. ein Viertel bis ein Drittel deines oberen Kopfes (während des Ausatmens)
  2. deine obere Schulter
  3. bei extrem guter Wasserlage: touchiert die obere Hüfte und der obere Oberschenkel die Wasseroberfläche
  4. die Fersen touchieren oder durchbrechen immer wieder die Wasseroberfläche
  5. der obere Arm verläßt das Wasser und taucht wieder ins Wasser ein (Überwasserarmzug)
  6. der halbe Kopf verläßt das Wasser (Längshälfte) beim Einatmen

All das verursacht Verwirbelungen bzw. Wellen an der Wasseroberfläche, wenn der Körper sich in (Vorwärts-)Bewegung befindet. Wenn du Wellen an der Wasseroberfläche erzeugst, brauchst du Kraft und verbrauchst du Energie. Je größer die Wellen (und Verwirbelungen) sind, die du erzeugst, desto mehr Kraft brauchst und desto mehr Energie verschwendest du.

Unter Wasser ist der Wellenwiderstand vernachlässigbar. Das ist mit ein Grund, warum du beim Abstoß von der Wand die höchste Geschwindigkeit erreichen kannst. Und das ist auch der Grund, warum die besten Schwimmer die erlaubte 15m Tauchphase in einem Schwimmwettkampf bestmöglich ausnutzen.

Hektische Bewegungen erzeugen vor allem viel Widerstand an der Wasseroberfläche. Hektische Athleten zeichnen sich meistens durch fehlerhafte Bewegungsabläufe aus. Der Grund dafür: Das Gehirn diktiert die hektischen Bewegungen, die verhindern sollen, daß der Athlet untergeht. Sie sind ein Zeichen von Kontrollverlust und mangelhafter Kraultechnik.

Wie hältst du den Wellenwiderstand gering?

Ganz einfach: Indem du deine Bewegungen kontrollieren lernst. Gleichgewicht (im Wasser) heißt das Zauberwort.

Wer Kontrolle über seine Bewegungen im Kraulschwimmen hat, ist in der Lage präzise seine Hände ins Wasser einzutauchen, den Eintauchpunkt und die Eintauchgeschwindigkeit zu variieren und bewußt zu verändern. Ein Athlet mit Bewegungskontrolle hat flüssige Bewegungen und schwimmt mit dem Wasser.

Wer keinerlei Kontrolle über seine Bewegungen hat, schlägt blind aufs Wasser ein. Und erzeugt so jede Menge Wellenwiderstand und Geräusche. Auch Geräusche über Wasser und unter Wasser sind eine Form von Energieverschwendung.

3. Der Reibungswiderstand

Der Reibungswiderstand ist der Wasserwiderstand, der entsteht, wenn sich das Wasser an deinem Körper reibt.
Reibungswiderstand entsteht

  1. Körperbehaarung
  2. Schwimmbekleidung (vor allem Falten, abstehende Nähte, Verzierungen, …)
  3. Schwimmbrille
  4. Haut

Wie hältst du den Reibungswiderstand gering?

Auch das ist einfach.

Der Reibungswiderstand ist sogar der einzige Wasserwiderstand, wo du dir eine Reduzierung größtenteils kaufen kannst.

1. Körperbehaarung

Hier hilft vor allem die Schwimmkappe bei Kopfbehaarung. Die wenigsten Athleten (und noch weniger Athletinnen) wollen sich nur wegen des Schwimmens eine Glatze scheren lassen.

Und das Rasieren der Beine – was Schwimmer machen.

Wer sich gute Schwimmer ansieht: Keine Gesichtsbehaarung. Alle tragen Schwimmkappen. Engst anliegende Schwimmbekleidung. Und sie sind rasiert: Keine Beinehaarung oder sonstige Körperbehaarung.

2. Schwimmbekleidung

Gut sitzende, eng anliegende Schwimmbekleidung (Es gibt einen Unterschied zwischen Schwimmbekleidung und Badebekleidung!). Inzwischen gibt es auch Hightech-Fasern, die beispielsweise das Verhalten von Haifischhaut immitieren.

Eine gut sitzende Schwimmkappe (Pflicht bei langen Haaren für Schwimmer. Für Plantscher gelten andere Regeln.) reduziert den Reibungswiderstand der Haare und verhindert, daß die Haare ständig über das Gesicht hängen (bei langen Haaren). Außerdem verhindert eine Schwimmkappe, daß die ausfallenden Haare im Wasser landen. (Oder sonstiges Zeug, das sich auf den Haaren oder der Kopfhaut befindet…)

Auch ein Neoprenanzug (Schwimmneo, nicht ein Tauch- oder Surfneo!) reduziert durch die glatte, gummierte Oberfläche den Reibungswiderstand.

Leider wird der Neoprenanzug inzwischen von den Nichtschwimmern dazu genutzt, mangelhafte Kraultechnik auszugleichen, da die Auftriebsfähigkeit des Materials verhindert, daß schlechte Schwimmer untergehen. Somit wird ein Kälteschutz zur Schwimmhilfe degradiert…

3. Schwimmbrille

Möglichst kleine und flache Schwimmbrillen aus glattem, reibungsarmen Material, ohne Schnickschnack reduzieren (neben dem Form-) auch den Reibungswiderstand.

Leider ist der Reibungswiderstand von den drei Wasserwiderständen der geringste und damit der unwichtigste. Von den hundertstel Sekunden pro 100m an Zeitgewinn profitieren die Spitzenschwimmer. Für den erwachsenen Späteinsteiger spielt der Reibungswiderstand erst eine Rolle, wenn er zu den Spitzenschwimmern gehört.

Das Paradox des Wasser-Widerstands

Wasserwiderstand ist jedoch nicht nur etwas „schlechtes“, was du vermeiden solltest. Nein. Du brauchst ihn auch. Der Wasserwiderstand hilft dir auch beim Vortrieb.

Ohne den Wasserwiderstand könntest du dich im Wasser nicht vorwärts bewegen.

Du mußt ihn fühlen und nutzen lernen, indem du lernst dich (= deinen Körper) an ihm zu verankern und nach vorn abzudrücken. So entsteht tatsächlich Vortrieb … in Zusammenarbeit mit ein paar weiteren Faktoren, die Thema des ebooks über die Kraftübertragung im Kraulschwimmen sind.

Fazit

Jetzt kennst du die drei Widerstände im Wasser MIT denen du arbeiten mußt, wenn du deine Kraultechnik verbessern und so leichter, länger und schneller Kraulschwimmen willst.

Viel Erfolg.

Links

Was bringt dir eine Videoanalyse für deine Kraultechnik?
29 Irrtümer über das Kraulschwimmen – Richtig gestellt – ebook
Nochmal 29 Irrtümer über das Kraulschwimmen – Richtig gestellt – ebook
Kraultechnik leicht gemacht – Band 1 – Die theoretischen Grundlagen des Kraulschwimmens – ebook
Kraultechnik leicht gemacht – Band 2 – So entstehen deine Schwimmzeiten – ebook
Buche deine Teilnahme am 1-Tages-Intensiv-Kraultechnik-Workshop für erwachsene Späteinsteiger ins Kraulschwimmen

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