Gleiten im Kraulschwimmen ist schlecht – aber nicht immer


Gleiten im Kraulschwimmen ist schlecht - aber nicht immer - Veras Triathlon-Blog & Schwimmstudio.de
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Wenn du wirklich schnell (Kraul, Brust, Delfin, Rückenkraul) schwimmen willst, dann darfst du nicht gleiten.

Das ist eine Tatsache.

Gleiten bedeutet im Kraulschwimmen, daß du einmal mit einem Armzug* anschiebst und dann passiv wartest, bis der Schub (fast) ausklingt, bevor du den nächsten Armzug* setzt.

* gemeint ist immer die Gesamtbewegung von Armzug/Rumpf/Beine

Das Wasser bremst dich aufgrund seiner physikalischen Dichte sofort herunter, sobald du aufhörst aktiv Vortrieb zu erzeugen.

Und während du passiv gleitest, erzeugst du keinen Vortrieb.*

* …außer du machst in der Zwischenzeit ausreichend Kraulbeinschlag um deine Anfangsgeschwindigkeit aufrecht zu erhalten. Aber das machen die meisten Athleten leider nicht.

Ok.

Aber was ist wirklich schnell?

Oder besser gefragt: „wie schnell“ ist „schnell“ für dich .. mit deinen Möglichkeiten im Kraulschwimmen?

Und hier liegt der Hund begraben.*

* Alles ist relativ… Und: Es ist nur sinnvoll ähnliches zu vergleichen. Wenn du (als erwachsener Späteinsteiger ins Kraulschwimmen) dich mit einem Leistungsschwimmer (der seit dem Alter von 6 Jahren Leistungsschwimmen betreibt) vergleichst, hast du immer verloren. Das sind zwei Welten, die nur das Wasser gemeinsam haben.

Dazu muß ich etwas ausholen.

Nochmals zur Erinnerung. So entstehen deine Schwimmzeiten:

Armzugstrecke x Armzugfrequenz

*Das liest sich „Armzugstrecke mal Armzugfrequenz“

Das heißt, wenn du die Strecke, die du pro Armzug* zurücklegst mit deiner Anzahl der Armzüge multiplizierst, die du pro Minute einsetzt, dann kannst du ausrechnen wie schnell du (auf der gemessenen Strecke) schwimmst.

* gemeint ist immer die Gesamtbewegung, denn deine Vorwärtsbewegung im Wasser entsteht immer (hoffentlich!) durch den Einsatz deines [ganzen Körpers] und nicht nur dadurch, daß du irgend etwas mit deinen Armen machst…

Beispiel:

Du schwimmst in einem 25m-Becken.

Der Einfachheit halber lassen wir den Abstoß von der Wand weg*

* bzw. zählen ihn als Armzug (oder Armzüge); was natürlich das Ergebnis etwas verfälscht, aber sei es drum…Wenn du es genau ausrechnen willst, dann mußt du die Strecke deines Abstoßes und die Dauer deines Abstoßes zuerst abziehen und nach der Multiplikation nochmals anfügen.

Nehmen wir vereinfacht an, du brauchst für diese 25m 22 Armzüge und schwimmst dabei locker*.

* damit ist deine Belastungsintensität gemeint; d.h. wie anstrengend dieser Pace für dich ist.

Und du schwimmst 60 Armzüge pro Minute.

Das heißt, du brauchst pro Armzug 1 Sekunde.

Dann schwimmst du diese 25m in 22 Sekunden.

Wenn du das jetzt (vereinfacht!*) – hoch rechnest auf 100m, dann nimmst du das x 4 und du bist bei einer (geschätzten!*) Durchschnittsgeschwindigkeit (= Pace) von 88 Sekunden.

* vereinfacht und geschätzt, weil Start, Abstoß, Wenden auch Zeit kosten. Und zwar umso mehr, je schlechter = schlampiger sie ausgeführt werden.

Das ist eine Durchschnittsgeschwindigkeit (= Pace) von 1:28min/100m.

* Pace / Durchschnittsgeschwindigkeit beziehen sich immer auf 100m

Das ist schon mal nicht schlecht.

So.

60 Armzüge pro Minute ist für die meisten Athleten* schon ziemlich ambitioniert.

* erwachsene Späteinsteiger ins Kraulschwimmen, Triathleten, alle Athleten, die erst als Erwachsene das Kraulschwimmen lernen oder gelernt haben; die meisten schwimmen mit langsameren Armzugfrequenzen und DEUTLICH langsameren Armzugfrequenzen.

Und trotzdem hast du selbst mit einer Armzugfrequenz von 60* immer noch eine Gleitphase im Bewegungsablauf.

* 60 Armzügen pro Minute

Wenn du keine 60er-Armzugfrequenz schaffst*, dann hast du eine umso längere Gleitphase pro Armzug.

* Also mit einer langsameren/geringeren Armzugfrequenz schwimmst

Wie gesagt: Ein Pace von 1:28min/100m ist nicht schlecht, aber weit davon entfernt eine wirklich gute Schwimmzeit zu sein.

Da werden viele Aufschreien und sagen: Ich wäre heilfroh, wenn ich auch nur in die Nähe von einer 1:28min/100m im lockeren Tempo* käme!

* damit ist deine Belastungsintensität gemeint; d.h. wie anstrengend diese Durchschnittsgeschwindigkeit (Pace) für dich ist.


So und damit kommen wir zum eigentlichen Punkt:

Was für dich „schnell“ bedeutet, kann für jemanden anders langsam sein.

Und was für dich „langsam“ bedeutet, kann für jemanden anders schnell sein.

Wenn du also mit einer 2:00min/100m-Durchschnittsgeschwindigkeit (= Pace) schwimmst, dann ist entweder deine Kraultechnik grottenschlecht (wenn du keine Gleitphase hast) oder du hast ziemlich lange Gleitphasen (pro Armzug) in deinem Bewegungsablauf.

Passive Gleitphasen im Bewegungsablauf des Kraulschwimmens (!) sind in keiner Weise erstrebenswert.

ABER.

Wenn es dein erstes Ziel ist einen 2:00min/100m-Pace* zu knacken, dann behalte vorerst deine Gleitphasen und nutze sie aus.

* das sind auf den typischen (Triathlon-)Schwimmdistanzen
400m in 8min
500m in 10min
1000m in 20min
1500m in 30min
1900m in 38min
3800m in 1:16h

Denn in diesem Fall ist eine Gleitphase im Bewegungsablauf des Kraulschwimmens das kleinere Übel.

Denn mit einer Gleitphase verlängerst du deine Strecke pro Armzug, wobei du mit großer Wahrscheinlichkeit gleichzeitig deine Armzugfrequenz reduzierst.*

* Das solltest du vermeiden.

Du kannst einen 2:00min/100m-Durchschnittsgeschwindigkeit oder 1:28min/100m* auf verschiedene Arten und Weisen erreichen.

* JEDE DURCHSCHNITTSGESCHWINDIGKEIT (PACE)!

Und es dreht sich immer um die korrekte Anwendung der gleichen Formel für Schwimmgeschwindigkeit:

Armzugstrecke x Armzugfrequenz

Nochmals ein Beispiel.

Nehmen wir die 2:00min/100m und die 1:28min/100m.

Pace Armzugfrequenz Armzugstrecke
2:00min/100m 50/min 1,00m
1:28min/100m 60/min 1,14m
2:00min/100m 60/min 0,83m
1:28min/100m 50/min 1,37m
2:00min/100m 40/min 1,26m
1:28min/100m 70/min 0,97m
2:00min/100m 70/min 0,71m
1:28min/100m 40/min 1,72m

Das heißt, je geringer deine Armzugfrequenz, desto länger muß deine Armzugstrecke sein, um die gleiche Zeit zu erreichen.

Je höher deine Armzugfrequenz, desto kürzer KANN deine Armzugstrecke sein, um die gleiche Zeit zu erreichen.

Beides – Armzugfrequenz und Armzugstrecke und darüber die resultierende Zeit – wird durch deine Kraultechnik bestimmt.

Und dann kommt natürlich noch deine Körpergröße hinzu.

Ein Mann mit einer Körpergröße von 1,90m* kann mit einer geringeren Armzugfrequenz schwimmen und schafft (auch bei einer schlechteren Kraultechnik) mehr Strecke pro Armzug als eine kleine Frau mit einer Körpergröße von 1,65m (und vielleicht einer besseren Kraultechnik)*.

Die Frau muß fast doppelt so viele Armzüge machen, um genauso schnell zu schwimmen wie der 1,90m-Mann, da sie pro Armzug erst einmal weniger Strecke zurück legt.

* und einer durchschnittlichen Armspanne von 1,90m
** und einer durchschnittlichen Armspanne von 1,65m

Wenn du überlegst, daß du (für einen erwachsenen Späteinsteiger) schon relativ gut bist, wenn du es schaffst 70% deiner Körpergröße* (Armspanne) kontinuierlich pro Armzug zurück zu legen, dann weißt du (hoffentlich) jetzt woran du zu arbeiten hast.

*
1,90m = 1,33m
1,65m = 1,15m

Als Anhaltspunkt: Wenn deine Schwimmzeiten deutlich über (= langsamer) einer 1:30min/100m (Pace)* liegen, dann ist eine Gleitphase auf diesem Level deines Könnens das kleinere Übel.

Wenn du schneller schwimmen willst als eine 1:30min/100m (Pace)*, dann mußt du die Gleitphase in deinem Bewegungsablauf des Kraulschwimmens so weit wie möglich reduzieren bis abstellen.

* damit ist immer die Durchschnittsgeschwindigkeit über längere Strecken wie z.B. 1000m gemeint, nie ein Sprint über 100m!

Viel Erfolg.

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