Kraulschwimmen ist nicht kompliziert, sondern komplex


Kraultechnik ist nicht kompliziert, sondern komplex - Veras Triathlon-Blog & Schwimmstudio.de
Kraultechnik ist nicht kompliziert, sondern komplex – Veras Triathlon-Blog & Schwimmstudio.de

Kennst du den Unterschied zwischen „schwer/schwierig/kompliziert“ und „komplex“?

Wahrscheinlich nicht.

Und vor allen Dingen wahrscheinlich nicht im Zusammenhang mit dem Kraulschwimmen.*

* Oder dem Schwimmen im allgemeinen. Diese Aussage gilt gleichermaßen für alle anderen Schwimmarten (Brust, Delfin, Rückenkraul).

Ich höre oder lese oft:

„Kraulschwimmen ist so schwer.“

„Kraulschwimmen ist so schwierig.“

„Kraulschwimmen ist so kompliziert.“

Hm. Nein.

Kraulschwimmen ist komplex.

In komplexen Situationen gibt es kein absolut richtig oder falsch.*

* Was so gern in Schwimmbüchern, Videos, und von diversen „Profi-Experten“ dargestellt wird: Es gibt nur diese eine richtige und wahre Lösung. DAS ist die richtige Art und Weise zu schwimmen. DAS ist die richtige Art und Weise zu trainieren… blablabla

Vielmehr gilt immer ein: „Es kommt darauf an, …“.

Kompliziert ist ein System, wenn verschiedene Dinge/Einflußfaktoren/Bestandteile immer gleich zusammen arbeiten um ein Ergebnis zu erzeugen.

Nimm als Beispiel eine mechanische Uhr.

Die vielen kleinen Rädchen, Schräubchen, Federn etc. arbeiten zusammen damit die Uhr die Zeit (oder das Vergehen derselben) anzeigen kann.

Daran ändert sich nichts.

Es bleiben immer die gleichen Bestandteile.

Und sie arbeiten immer auf die gleiche Art und Weise und unter den gleichen Bedingungen zusammen.

* Sie verändern sich ggfs. durch Abnutzung.

Kraulschwimmen ist komplex.

Komplex sind Dinge – in diesem Fall der Bewegungsablauf im Kraulschwimmen und dein darüber erzeugter Vortrieb im Wasser – wenn das Vorhandensein oder die Abwesenheit von Einflußfaktoren das Ergebnis bestimmen.

Das klingt erst einmal einfach und logisch.

Leider ist das noch nicht alles.

Diese Einflußfaktoren beeinflussen sich auch noch gegenseitig und zwar auf nichtlineare Art und Weise.

Linear heißt, A beeinflußt B und B beeinflußt C und C beeinflußt D und als Ergebnis kommt X heraus.

Nichtlinear heißt, A beeinflußt B. Und B beeinflußt A. Und B beeinflußt C. Aber nur wenn Y auch F und G beeinflußt. Und – aber nur in dieser Reihenfolge – B vorher C beeinflußt hat. …*

* Aber auch nur dann, wenn der Uranus im großen Wagen steht…naja nicht ganz ;o)

Kraulschwimmen ist nicht kompliziert oder schwer oder schwierig.

Aber es hat ständig verschiedene Ereignisse, die parallel ablaufen.

Es ist multi-variabel.

In komplexen Systemen erzeugt eine Ursache NICHT EINEN IMMER GLEICHEN Effekt*, sondern unterschiedliche.

* = Wirkung, Resultat, Ergebnis wie beispielsweise eine Schwimmzeit

Außerdem können verschiedene Ursachen zu gleichen/ähnlichen Resultaten führen.

Und die gleiche oder ähnliche Ursachen zu verschiedenen Resultaten, je nachdem ob Einflußfaktoren hinzu kommen oder wegfallen.

Denke nur an das Kochen oder Backen mit diversen Zutaten.*

* Das Experimentieren mit feinen Gewürzen erfordert genauso viel Fingerspitzengefühl wie das schnelle Kraulschwimmen.

Variable Einflußfaktoren können beispielsweise sein

  • die Instabilität des Wassers
  • dein Aufenthalt im Wasser
  • deine Bewegung im Wasser
  • die Bewegung erzeugt durch andere Personen (Tiere, Pflanzen, Schiffe, etc.)
  • der Rückschlag von der Schwimmbadwand
  • der Zufluß
  • der Abfluß
  • der Überlauf
  • die Wassertemperatur
  • die Wasserqualität oder -Zusammensetzung
  • deine Schwimmbekleidung
  • der Wind
  • die Wellen
  • deine Körpergröße
  • dein Alter
  • deine Intelligenz
  • deine Koordinationsfähigkeit
  • deine Lernfähigkeit
  • deine Lernbereitschaft
  • deine Bereitschaft zur Veränderung
  • deine Neugierde
  • deine gesundheitliche (körperliche, geistige) Verfassung
  • dein Vorwissen
  • deine Erfahrungen
  • dein Trainingszustand
  • dein Körpergefühl
  • dein Wassergefühl
  • die Qualität deiner Kraultechnik
  • ….etc. etc. etc.
  • * kein Anspruch auf Vollständigkeit

    Das sind alles Variablen, die dein Endergebnis (= den Vortrieb*, den du erzeugen willst) beeinflussen.

    * Und die daraus resultierenden Schwimmzeiten, deinen Energieverbrauch, deinen Kraftaufwand

    Für sich genommen, sind alle Einflußfaktoren einfach.

    In Zusammenhang gebracht, ergeben sie ein vielschichtiges Netzwerk an komplexen Variablen, die sich ständig gegenseitig auf unterschiedliche Art und Weise beeinflussen und verändern.

    Ein beliebter und ewiger Streitpunkt ist beispielweise die Kopfhaltung im Kraulschwimmen*

    * zu diesem Thema gibt es bereits mehrere Artikel auf diesem Blog

    Es gibt NICHT „die eine, einzige richtige Kopfhaltung“, die für alle gilt.

    Das ist Blödsinn.

    Ein erwachsener Späteinsteiger ins Kraulschwimmen bringt völlig andere Voraussetzungen* mit als ein Spitzenschwimmer.

    * = oder Bedingungen für das Kraulen und das Lernen dessen

    Warum sollte dann für beide die gleiche Kopfhaltung gelten?

    Ein Spitzenschwimmer* kann sich nicht einmal mehr daran erinnern jemals Probleme mit der Wasserlage gehabt zu haben.

    * Das gilt für fast alle, die das Kraulschwimmen „richtig“ im Kindesalter gelernt haben und über Jahre hinweg im Leistungsschwimmen waren. Schlimm wird es erst wenn diese Leute als Trainer Erwachsenen das Kraulschwimmen auf die gleiche Art und Weise wie Kindern beibrigen wollen…

    Probleme mit der Wasserlage sind jedoch das, womit ein erwachsener Späteinsteiger ins Kraulschwimmen in jeder Trainingseinheit zu kämpfen hat.

    Und die Kopfhaltung beeinflußt die Wasserlage.*

    * und über die Wasserlage andere Dinge im Bewegungsablauf des Kraulschwimmens.

    So.

    Und jetzt nochmals:

    Warum sollte für den erwachsenen Späteinsteiger ins Kraulschwimmen unter diesen Bedingungen die gleiche Kopfhaltung wie für den Spitzenschwimmer richtig sein?*

    * Das gleiche gilt für viele Haltungen und Bewegungsabläufe im Kraulschwimmen wo sogenannte Experten behaupten DIE WAHRHEIT mit dem Löffel gefressen zu haben…

    Statt dessen gilt eben ein: Es kommt darauf an, … was die jeweiligen weiteren Bedingungen sind.

    Um das ganze noch ein bißchen komplexer zu machen, ändern sich manche Variablen bei jedem (vereinfacht ausgedrückt) Armzug.*

    * sprich: Gesamtbewegungsablauf. Es ist nie nur der Armzug!

    Armzüge sind nur gleich, nie identisch.

    Und wenn dir zu wenig Einflußfaktoren bekannt sind, dann kommt es zu unvorhergesehenen Situationen.

    Beispielsweise im schlimmsten Fall zu einer Panikattacke beim Schwimmstart im Triathlon-Wettkampf.*

    * Die hat mangelhafte Vorbereitung als Ursache. Denn die Vorbereitung auf das Schwimmen in einem Triathlon-Wettkampf besteht eben in mehr als 2 x pro Woche zum Schwimmen in einem Weiher zu gehen, wo sonst niemand schwimmt…Triathlontraining ist eben auch komplex.

    Und um dieser Komplexität noch eins drauf zu setzen: Das, was du tust, beeinflußt zusätzlich diverse Variablen und damit auch das Ergebnis*

    * = deinen Vortrieb, deine Schwimmgeschwindigkeit, deinen Kraftaufwand, deinen Energieverbrauch im Kraulschwimmen

    Aus diesem Grund ist eine gründliche* Vorbereitung* der halbe Wettkampf und der halbe Weg zu einem erfolgreichen Finish im Triathlon.

    * als Gegenteil zu einer oberflächlichen Vorbereitung:
    Leistungssteigerung im Triathlon – Kenne deinen Triathlon-Wettkampf
    Leistungssteigerung im Triathlon – Wähle weise deinen Wettkampf
    Leistungssteigerung im Triathlon – Erkenne deine Schwächen

    Und als Voraussetzung für die Auftaktdisziplin Schwimmen ist es sinnvoll die Grundlagen der Kraultechnik zu beherrschen).

    Beherrschen heißt, nicht nur KENNEN, sondern KÖNNEN.

    Zusammenhänge im Kraulschwimmen verstehen, begreifen und praktisch anwenden. Experimentieren, Fehler machen und Fehler gezielt verbessern.

    Das Ergebnis, das du im Kraulschwimmen haben willst, ist (hoffentlich) daß du mit dem geringstmöglichen Aufwand an Kraft (bzw. Energieverbrauch) den größtmöglichen Vortrieb erreichen willst, um eine möglichst gute Schwimmzeit über eine bestimmte Strecke zu erreichen.

    Deshalb behalte immer die komplexen Zusammenhänge im Kraulschwimmen im Hinterkopf, wenn du dich mit Problemen konfrontiert siehst.

    Gewalt (= mehr Krafteinsatz) bei auftretenden Problemen ist im Kraulschwimmen immer ein schlechter Rat.

    Köpfchen ist gefragt.

    Und kreative Ursachenforschung und Problemlösung.

    Kraulschwimmen ist ständige Hochgeschwindigkeitsproblemlösung*. ;o)

    * Für Anfänger im Kraulen auf Macro-Ebene (die Grobform) und für Spitzenschwimmer auf Micro-Ebene (die Ultrafeinform).

    Viel Erfolg.

    Trainingsangebot

    Kraultechnik lernen und verbessern speziell für erwachsene Späteinsteiger ins Kraulschwimmen - Workshops, Videoanalysen und Trainingspläne - Veras Triathlon-Blog & Schwimmstudio.de
    Kraultechnik lernen und verbessern speziell für erwachsene Späteinsteiger ins Kraulschwimmen – Workshops, Videoanalysen und Trainingspläne – Veras Triathlon-Blog & Schwimmstudio.de

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    * anstatt mit Schwimmhilfen nur nicht „unter zu gehen“ oder „dich über Wasser zu halten“.

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