Irrtümer und Falschaussagen in Sachen Kraulatmung


Irrtümer und Falschaussagen in Sachen Kraulatmung - Veras Triathlon-Blog & Schwimmstudio.de
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Es kursiert eine Reihe merkwürdiger Falschaussagen in Bezug auf die Kraulatmung.

Diese hindern sowohl erwachsene Anfänger (die das Kraulschwimmen erst lernen) als auch Athleten mit Erfahrung im Kraulschwimmen daran wirkliche Fortschritte in Sachen Kraulatmung zu machen.

Und sie hindern selbst gute Schwimmer daran sich darum zu kümmern ihre Kraulatmung gezielt zu verbessern.

Besser atmen bedeutet immer besser Kraulschwimmen.

Hier mein Bullshit-Bingo in Sachen Kraulatmung:

Der Schwimmschnorchel hilft dir deine Kraulatmung zu verbessern

Bullshit.

Kein Schnorchel – egal wie billig oder teuer – hilft dir dabei deine Kraulatmung zu verbessern. Im Gegenteil. Er hindert dich daran, weil du damit die Arbeit an deiner Kraulatmung vermeidest.

Und die Atmung selbst – der körperliche Vorgang – ist in den seltensten Fällen die Ursache für Probleme mit der Kraulatmung.

Der Schwimmschnorchel ist eines der überflüssigsten und dämlichsten Trainingshilfen, die es gibt. Und ein Fluch für jeden erwachsenen Späteinsteiger ins Kraulschwimmen, der die Kraulatmung nur fehlerhaft beherrscht.

Du mußt eine 3er-Atmung lernen. Das ist der beste Atemrhythmus.

Bullshit.

Niemand MUSS eine 3er-Atmung lernen.

Sinnvoll ist es zu beiden Seiten einatmen zu können. Das geht genauso mit einer 2er-Atmung. Einfach im Training abwechselnd eine Bahn rechts einatmen. Und die nächste Bahn links einatmen. So werden beide Seiten ausreichend und gleichmäßig trainiert. Mit welchem Atem-Rhythmus du das machst, ist vollkommen egal.

Der untere Arm dient als Stütze des Körpers während des Einatmens.

Bullshit.

Der untere Arm dient niemals als Stütze des Körpers. Weder während des Einatmens noch während des Ausatmens. Das ist absoluter Bullshit. Jeder Athlet, der das macht, drückt den Arm nach unten und DAS ist ein Kardinalfehler im Kraulschwimmen. Denn jeder Druck nach unten, ist ein Versuch den Körper nach oben zu drücken. „Nach oben“ ist die falsche Schwimmrichtung. Die richtige Schwimmrichtung ist „nach vorn“. Also mußt du alles, was du tust nach vorn ausrichten. Auch während der Kraulatmung.

Du drehst nur den Kopf und nicht den Körper in der Kraulatmung.

Bullshit.

Es wird heutzutage nicht mehr auf dem Bauch geschwommen, sondern mit einer mehr oder weniger ausgeprägten Rotation. Dann ausgerechnet während des Einatmens den Körper nicht um die Körperlängsachse zu drehen, wäre absurd.

Während du ausatmest hältst du deinen Kopf still und in einer neutralen Haltung fixiert. Dein Körper rotiert über die Streckung. Jedes mal, wenn du über die maximale Streckung in die Rotation hinein kommst, will dein Kopf mit rotieren. Das ist ein natürlicher Vorgang, dem du während des Einatmens in der Kraulatmung nachgeben darfst. Aber nur da. Und du mußt deinen Kopf nur noch ein klitzekleines Stückchen mehr drehen bis du sicher durch den Mund einatmen kannst. Wie klein oder groß das letzte Stückchen Drehung für dich ist, hängt wiederum von vielen individuellen Faktoren ab.

Du atmest nur über den Mund aus.

Bullshit.

Ausatmen kannst du wie du willst. Entweder durch die Nase. Oder durch den Mund. Oder durch beides. Meistens folgt es den Regeln der Belastung. Das heißt, deine Atmung paßt sich deiner Anstrengung an. Wie im Laufen oder Radfahren. Wenn du locker läufst, dann kannst du durch die Nase aus- und einatmen und dich mit deinem Laufpartner in ganzen Sätzen unterhalten. Wenn du ein 400m-Intervall mit maximaler Laufgeschwindigkeit läufst, dann wirst du hauptsächlich durch den Mund (oder durch Mund und Nase) ein- und ausatmen. Warum? Weil du mehr Luftvolumen und damit auch mehr Sauerstoff pro Atemzug aufnehmen kannst und mehr Kohlendioxid pro Ausatmung ausatmen kannst. Weil du unter hoher Belastung (= Anstrengung) mehr Sauerstoff brauchst für deinen Leistungsstoffwechsel. So einfach ist das.

Und das ganze machst du im Kraulschwimmen auch.

Nur gibt es eben auch Leute, die bevorzugt nur durch den Mund ein- und ausatmen oder bevorzugt nur durch die Nase ein- und ausatmen.

Die Mundatmer werden eben auch im lockeren, entspannten Tempo durch den Mund ausatmen.

Während die Nasenatmer im lockeren, entspannten Tempo in ihrem Element sind, müssen jedoch auch sie bei zunehmender Belastung den Mund zum Ausatmen hinzu nehmen oder ganz auf das Ausatmen über den Mund umstellen.

Wie geschrieben: Es ist die Belastungsintensität im Kraulschwimmen, die das bestimmt. Und diese ist meistens (aber nicht immer) an die Schwimmgeschwindigkeit gekoppelt.

Du atmest immer ohne Druck unter Wasser aus.

Bullshit.

Auch hier folgt der Druck, mit dem du unter Wasser ausatmen mußt, den Regeln deiner Belastung (= Anstrengung) im Schwimmen.

Je anstrengender dein Kraulschwimmen für dich ist (und das hat primär nichts mit der Schwimmgeschwindigkeit zu tun), desto mehr Sauerstoff braucht dein Körper um die Energie zu produzieren, die du verbrauchst. Und desto schneller mußt du das Kohlendioxid auch abatmen, daß sich in deinen Lungen ansammelt, damit du wieder einatmen kannst. Und je schneller du ausatmest, desto größer wird der Druck mit dem du unter Wasser ausatmest.

Wenn du entspannt, locker und mit geringer Belastung Kraul schwimmst, dann atmest du mit minimalen Druck gegen das Wasser aus. Der Druck, den du im Ausatmen unter Wasser brauchst, ist jedoch immer größer als an Land, da das Wasser eben 800-1000 mal dichter ist als Luft.

Die Ausatemzeit ist doppelt so lang wie die Einatemzeit.

*

* Oder anders herum: Die Einatemzeit ist halb so lang wie die Ausatemzeit.

Bullshit.

Selbst wenn ich ein „mindestens“ einfüge, würde ich sagen: falsch.

Die Einatemzeit ist deutlich kürzer als die halbe Ausatemzeit. Denn die Überwasserphase des Armzugs kann nicht komplett für das Einatmen ausgenutzt werden. Und die Überwasserphase* ist – meines Wissens und meiner Erfahrung nach – etwas kürzer als die Unterwasserphase im Kraularmzug.

* Überwasserarmzug, Rückholphase, Erholungsarmzug

Also dauert das Ausatmen unter Wasser mehr als doppelt so lang wie das Einatmen über Wasser.

Zudem atmest du frühestens nach jeden zweiten Armzug ein. D.h. da kommt ein zweiter Armzug (halb) hinzu… Auch das führt diese Zeitangaben-Relation in Bezug auf die Dauer des Einatmens und Ausatmens bereits ad absurdum.

Und je entspannter du schwimmst, desto längere Atemrhythmen* kannst du schwimmen. Dann ist der Zeitraum des Ausatmens nochmals länger, während der Zeitraum des Einatmens gleich bleibt.

* 3er-Atmung, 4er-Atmung, 5er-Atmung, 6er-Atmung, 7er-Atmung, …

Du darfst deinen Kopf nur minimal drehen.

Bullshit.

Du darfst deinen Kopf so weit drehen, bis du sicher einatmen kannst. Wichtig dabei ist, daß du den Kopf tatsächlich NUR DREHST anstatt hebst. So lange dein Kopf im Wasser bleibt (die Hälfte deines Kopfes und er in Verlängerung deiner Wirbelsäule und des restlichen Körpers bleibt) darfst du ihn drehen so weit du willst.
Auch bei unruhigem Wasser kann es notwendig sein, deinen Kopf weiter zu drehen. Es hängt immer davon ab, ob du sicher einatmen kannst. Das ist das entscheidende Kriterium für dich. Und das bestimmt den Grad deiner Kopfdrehung. Je besser deine Kraultechnik – und damit auch deine Kraulatmung – desto geringer wird deine Kopfdrehung ausfallen.

Du hast eine Gleitphase in der Kraulatmung.

Bullshit.

Wenn du wirklich schnell Kraul schwimmen willst, dann hast du nie eine Gleitphase, weder mit noch ohne Kraulatmung. Jedes passive Gleiten bremst dich aus. Hier sprechen wir aber von Schwimmzeiten und einer Armzugfrequenz, die für die meisten erwachsenen Späteinsteiger ins Kraulschwimmen jenseits von gut und böse sind… Du hast wenn, eine verlängerte Streckphase*, die du am besten mit Beinschlag unterstützt, damit dich das Wasser nicht zu stark herunter bremst. Und das gleiche machst du während der Kraulatmung.

* v.a. wenn du mit Front-Quadrant-Timing schwimmst.

Du kannst während des Einatmens keinen Unterwasserarmzug ausführen.

Bullshit.

Da kommt es auf das eingesetzte Armzug-Timing an. Mit FQT* machst du es nicht. Bei allen anderen Armzug-Timings machst du es schon. Und zwar ohne darüber nachzudenken…**

* FQT = Front-Quadrant-Timing bzw. Front-Quadrant-Technik
** Leider machen viele Athleten eben den Fehler sich auf dem unteren Arm abzustützen und nach oben zu drücken anstatt Vortrieb zu erzeugen…

Du rotierst zu stark mit dem Oberkörper, wenn du die Decke oder den Himmel über dir siehst.

Bullshit.

Wie bereits geschrieben. Du kannst deinen Kopf so weit drehen wie du brauchst, um sicher einatmen zu können, so lange mindestens die (untere) Hälfte deines Kopfes tatsächlich im Wasser bleibt. Du drehst deinen Kopf zusammen mit deinem Körper über die maximale Streckung und ein letztes Stück weiter, bis du bequem atmen kannst. Jeder (?) kann seinen Kopf so weit drehen, daß er über seine Schulter sehen kann. Dazu MUSST du nicht den ganzen Körper zu weit drehen, sondern nur den Kopf ein Stückchen mehr als den Körper in seiner „normalen“ Rotation.

Es KANN passieren, daß Athleten fälschlicherweise überrotieren*, weil sie falsch verstanden haben, was sie tun sollen. Die Norm ist das jedoch nicht.

* das heißt zu stark rotieren; bis zu einer 90°-Seitlage oder gar auf den Rücken fallen.

Welche Falschaussagen hindern dich daran deine Kraulatmung zu verbessern?

Denke mal darüber nach.

Viel Erfolg.

Trainingsangebot

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